Befristete Stellen…

…oh ja, es gibt sie zuhauf: befristete Stellen werden heutzutage öfter vergeben als ihre unbefristeten BrüderInnen.

Ich kann natürlich verstehen, weshalb ein Unternehmen/Behörde/Einrichtung lieber befristete Verträge vergibt…allerdings kann ich auch den Unmut der Arbeitnehmer verstehen, besonders im folgenden Fall, den ich selbst hautnah miterlebte:

Eine junge Frau schließt ihr Universitätsdiplom mit einer guten Note ab und bewirbt sich in der Folge bei dutzenden Einrichtungen/Behörden des öffentlichen Rechts. Um die Wartezeit zu überbrücken und um nicht dem Staat auf der Tasche zu liegen, nimmt sie eine Stelle im Sekretariat der Universität an. Obwohl der Vertrag monatlich befristet ist (man könnte fast von Psychoterror sprechen), wird er sogar zwei Mal verlängert, bis die junge Frau von einem Professor einen gut dotierten Werkvertrag angeboten bekommt. Glücklich ob der unerwarteten Geldspritze (4 gut bezahlte Monatsraten), unterschreibt die Frau auch diesen Vertrag, nachdem sie ordnungsgemäß aus ihrem alten Vertrag ausgeschieden ist.

So weit, so gut.

Jetzt kommt aber der Teil, der mich wütend gemacht hat:

die junge Frau findet ihren Traumjob in einer Zeitung. Die Stellenbeschreibung passt auf all ihre Qualifikationen und Neigungen, die Vergütung ist nahezu überdurchschnittlich und der Job selbst ist krisenfest (Landesministerium), wenn auch befristet.  Natürlich bewirbt sich die junge Frau und hat tatsächlich Erfolg: nach dem Bewerbungsgespräch teilt der Personalchef der jungen Frau am nächsten Tage mit, dass man sich für sie entschieden hätte. Sie solle doch aber noch schnell die Verträge ‚rüberfaxen, die sie mit der Uni geschlossen hat. Und jetzt wird’s wirklich fies: die mit der Uni beschlossenen Verträge (wie gesagt: alle befristet) würden die junge Frau dazu berechtigen, eine unbefristete Stelle beim Bundesland einzuklagen…so natürlich auch bezogen auf die angebotene Stelle. Aufgrund dieser Rechtslage (vielleicht kann mir ein Kommentarschreiber die Grundlage nennen…ich bin gerade ziemlich faul) wird der jungen Frau doch noch abgesagt. Auch auf die Beteuerungen hin, sie würde sogar eine schriftliche Klageverzichtserklärung abgeben, nur um den Job haben zu können, lässt den Personalchef nicht erweichen. Der gute Mann macht auch nur seinen Job, klar. Aber warum gibt es bei diesem Gesetz, dass ja den Arbeitnehmer eigentlich vor unseriösen Abspeisungen seitens des Arbeitgebers mit kurzbefristeten Verträgen schützen soll, kein Schlupfloch? Warum wird die junge Frau bestraft, nur weil sie keine Sozialleistungen in Anspruch nehmen wollte und wissenschaftliche Arbeit geleistet hat?Ich verstehe es nicht. Abgesehen vom materiellen Schaden, den die Frau nun verschmerzen muss, gibt es sicherlich auch einen immateriellen Schaden in Form von tiefer Frust. Eine Stelle, die derartig optimal, ja fast maßgeschneidert für eine junge Frau ist, wird ihr entsagt, weil sie arbeitstüchtig ist.

Ich kann gar nicht sagen, wie viele Flüche, Kraftausdrücke und sonstiger Quatsch mir entfleucht sind, als ich von diesem Vorfall gehört habe. Es bestätigt sich mir nur eins: die Gesetzgeber sind meist zu faul, Gesetze richtig zu durchdenken UND/ODER mental einfach nicht mit der Alltagsrealität eines Normalbürgers verbunden.

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